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Sohn eines Spions


07.02.2016

Die Fachgruppe Geschichte lädt am Donnerstag, den 18.02.2016 um 18h im Forum zu einem öffentlichen Vortrag mit anschließender Diskussion mit dem ehemaligen Schüler des GBG Thomas Raufeisen ein. 



Thomas Raufeisen wurde 1962 in Hannover geboren und lebte dort bis zu seinem 17. Lebensjahr. Er besuchte das Georg-Büchner-Gymnasium in Seelze. Sein Vater – Armin Raufeisen – war Mitarbeiter des Industrieunternehmens Preussag und spionierte dort als Inoffizieller Mitarbeiter für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Als ein Oberleutnant des MfS – Werner Stiller – im Januar 1979 in die Bundesrepublik Deutschland überlief und Teile des Spionagenetz der DDR enttarnte, drohte auch ihm die Verhaftung. Das MfS beorderte deshalb seinen Agenten Thomas Raufeisen vor einem Wachturm des früheren Stasi-kurzfristig in die DDR.
Erst dort erfuhren die beiden Söhne Thomas und Michael vom Doppelleben ihres Vaters. Während Michael sich weigerte, die DDR-Staatsbürgerschaft zu beantragen, und in den Westen ausreisen durfte, musste der minderjährige Thomas bei seinen Eltern in der DDR bleiben. Doch die Familie zeigte sich mit dem Leben in der DDR bald unzufrieden. Sie begann, ihre Flucht in die Bundesrepublik zu planen. Als sie im September 1981 ein zweites Mal nach Ungarn fahren wollten, wurde Thomas verhaftet und zur ersten Vernehmung in die Untersuchungshaftanstalt des MfS in der Berliner Magdalenenstraße gebracht. Die Eltern wurden bei einem Fluchtversuch am selben Abend auf der Autobahn verhaftet und ebenfalls dorthin gebracht. Am nächsten Tag wurde die Familie in die Untersuchungshaftanstalt in Berlin-Hohenschönhausen verlegt. Mehr als ein Jahr später wurde Thomas Raufeisen dort wegen "ungesetzlichen Grenzübertritts" und "landesverräterischer Agententätigkeit" zu drei Jahren Haft verurteilt. Zwei Jahre verbrachte er in der Sonderhaftanstalt Bautzen II. Nach seiner Freilassung im September 1984 wurde ihm die Ausreise in die Bundesrepublik genehmigt, so dass er wenig später nach Hannover zurückkehren konnte.

Thomas Raufeisen ist zur Zeit als freiberuflicher Referent tätig, seit 2003 auch in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Sein Schicksal wurde 2004 in dem Film „Unser Vater, der Spion“ dargestellt. 2010 schrieb er seine Geschichte auf in „Der Tag, an dem uns Vater erzählte, dass er ein DDR-Spion sei: Eine deutsche Tragödie“.

Schüler, Eltern und (ehemalige) Kollegen sind herzlich eingeladen, dem Vortrag beizuwohnen!

Rainer Buitkamp

 


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