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1. Dezember: Das fast vergessene Weihnachtsgeschenk


von Felix Beckmann

„Was schenkst du deinen Eltern zu Weihnachten ?", fragte Simon aus Leas Klasse auf dem Schulhof. „So ein Mist ! Heute ist der 22. Dezember und ich habe vergessen ein Geschenk für meine Eltern zu kaufen! Danke, dass du mich daran erinnert hast.", antwortete Lea.

Auf dem Heimweg machte sich die neun jährige Lea Raukmann die ganze Zeit Gedanken darüber, was sie ihren Eltern nun schenken sollte. Zu Hause nach dem Essen machte sie sich sofort auf den Weg zum Einkaufszentrum. Zum Glück hatte sie keine Hausaufgaben auf, da ja der letzte Schultag war. Am Einkaufszentrum angekommen, lachte sie sofort ein toller antiker Obstkorb an. „Oh! Das wäre doch was für Mama und Papa!", dachte sie sich. Doch als sie hinging und den Preis sah, verschwand ihre Fröhlichkeit plötzlich. „Dreißig Euro !", hätte sie beinahe in das Kaufhaus gebrüllt. „Ich hab aber nur zehn mit!", dachte sie traurig.

Auf einmal kam ihr eine Idee: „Ich laufe jetzt schnell nach Hause und hole den Rest an Geld, den ich noch brauche." Das tat sie auch und auf dem Weg von zu Hause wieder zum Zentrum zurück, traf sie auch noch Siena, ihre Klassenkameradin. „Hallo Siena!", begrüßte Lea sie. „Tach Lea. Wie geht's?", erwiderte Siena. „Mir geht's ganz g... Oh, so ein Mist! Jetzt ist mir das Geld in `ne Pfütze gefallen!", rief Lea verärgert. Sie fischte es wieder heraus und verabschiedete sich mit der Erklärung, dass sie es ziemlich eilig hatte.

Im Einkaufszentrum kam ein Mann auf sie zu. Die kleine Lea Raukmann beachtete ihn erst gar nicht , doch als er sie dann ziemlich kräftig anrempelte, hatte sie so ein komisches Gefühl im Bauch. Auf einmal kam ihr ein schrecklicher Gedanke. Sie griff in ihre Jackentasche, dort war es nicht! Sie wurde immer hektischer. Lea durchsuchte jede einzelne Tasche drei mal. DAS GELD WAR WEG!!
Der Mann musste es geklaut haben!

„Was mache ich denn jetzt bloß?", fragte sie sich und fing an zu weinen. Immer lauter und lauter. Bis ein Mann das weinende Mädchen entdeckte und fragte was los sei. „Ein... Ein Mann hat mir mein Geld geklaut", schluchzte die kleine und war plötzlich ziemlich wütend. Sie nahm den Mann an die Hand und sagte selbstbewusst :"Ich gehe den Mann jetzt suchen! Machen Sie mit? Das Geld war nämlich für das Weihnachtsgeschenk für meine Eltern." Doch Lea gab dem Mann gar keine Zeit zum Antworten, eh er irgend ein kleines Wörtchen herausbekam, waren sie schon losgelaufen. „Weißt du denn, wie der Mann aussah?", brachte der Mann schließlich beim Rennen heraus.

„So einen würde ich sofort wiedererkennen!", antwortete Lea sehr entschlossen. „Wie heißen Sie eigentlich? Ich bin Lea!" „Ich heiße Karl!", antwortete der Mann. Sie rannten zweimal durch das ganze Einkaufszentrum, doch sie fanden ihn nicht. Vor Verzweiflung fing die kleine Viertklässlerin wieder an zu weinen, doch Karl tröstete sie. Und als Lea hochguckte wurde sie auf einmal wieder ganz ernst.

„Das ist er!", sagte sie. „Bist du dir sicher?", fragte Karl, der die ganze Zeit mitgelaufen war, als wäre sein eigenes Geld gestohlen worden. „Ja! Das ist der Dieb!", antwortete Lea. Der Mann, auf den sie zeigte, kaufte gerade Zigaretten. „Na gut", sagte Karl, „dann alarmiere ich jetzt die Polizei!", was er auch tat und ein paar Minuten später war sie auch schon da. In der Zeit folgten Lea und Karl dem Dieb.

Gerade als er das Zentrum verlassen wollte, kamen zwei mit Blaulicht versehene Autos, die ihm den Weg versperrten. Er versuchte zu flüchten, doch er lief genau in die Arme von Karl. Dann kam ein Polizist und nahm den Mann fest. „Vielen Dank!", bedankte er sich, „Dieser Mann ist uns schon seid langem bekannt, doch wir hatten nie die Beweise um ihn festzunehmen. Ich hoffe sie können beweisen, dass er der Dieb ist." „Ich nicht, aber Lea kann das.", sagte Karl.

„Dann erzähl mal, Lea". „Also", fing Lea an, „der Mann dort hat mich angerempelt...", und so erzählte die Kleine die ganze Geschichte und sie fügte noch hinzu, dass es dreißig Euro waren und dass das Geld nass sein musste, weil es ja vorhin in eine Pfütze gefallen war. Und tatsächlich, als der Polizist in die Jackentasche des Diebes griff, holte er feuchte dreißig Euro aus der Tasche. Als Lea das Geld bekam, bedankte und verabschiedete sie sich bei allen und lief sofort zu dem Laden mit dem Obstkorb. Dann kaufte sie das antike Stück und rannte damit nach Hause.

An Heiligabend stand der Korb unter dem Weihnachtsbaum und Lea hatte das spannendste Erlebnis in ihrem Leben zu erzählen.