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11. Dezember: Der Weihnachtsbaum


von Sara Kaulitzki

Jetzt war es wieder soweit. Wie jedes Jahr gab es eine Woche vor Weihnachten bei
Familie Krüger eine Diskussion über den Tannenbaumkauf. Wie immer ging es um das Thema: "Kaufen oder selber schlagen?" Marianne und Jürgen, die Eltern der
Familie, wollten einen kleinen Baum und vor allem wollten sie ihn im Dorf
kaufen. Doch die beiden Kinder Justin und Sophie wollten einen großen Baum und
das Wichtigste für sie war, ihn im Wald selber zu schlagen.

Marianne sagte: "Im Wohnzimmer haben wir nicht so viel Platz für so riesige
Bäume, die es im Wald gibt!" "Ach Mama, im Wald gibt es ganz bestimmt auch
kleine Bäume. Im Dorf kaufen ist viel zu teuer und im Wald kostet es überhaupt
nichts!", quengelte Justin. "Naja", sagte Jürgen "so überhaupt nichts bezahlen
stimmt nicht. Wir müssen den Baum auf einer Plantage schlagen, denn richtig im
Wald darf man das ohne Erlaubnis gar nicht." "O Manno, das ist doch voll doof,
ich will ihn richtig im Wald schlagen und nicht auf so einer Plantage!", motzte
Sophie. "Ich habe da eine Idee..." sagte Jürgen aufmunternd und ging zum
Telefon.

Zehn Minuten und zwei Telefongespräche später kam er zurück. Jürgen strahlte und
sagte: "Ich habe zuerst mit Opa telefoniert und dann mit seinem Freund
Christian. Der ist Förster und besitzt ein kleines Stück Wald, er erlaubt uns am
Sonntag einen kleinen Tannenbaum selber zu schlagen!" Justin und Sophie jubelten
und umarmten ihren Vater stürmisch! "Und ich werde wohl ganz von den
Ãœberlegungen ausgeschlossen!", meinte Marianne etwas beleidigt. "Aber wenn ihr
euch alle so freut, na gut, dann fahren wir am Sonntag halt in den Wald!"

Am Sonntag, dem vierten Advent, war es dann soweit. Justin und Sophie liefen
ungeduldig durch die Wohnung, aber erst nach dem Mittag kamen sie los. Inklusive
ihrem Dackel DJ und einer Säge ging es auf nach Eschebach. Die Fahrt dauerte den
Kindern zu lange, ungeduldig rutschten sie auf ihren Sitzen herum und fragten
alle fünf Minuten, wie lange es noch dauere. Nach einer endlos erscheinenden
halben Stunde war es endlich soweit, sie waren an dem Treffpunkt angelangt, wo
Christian sie erwarten wollte. Aber nicht ein Mann, sondern ein junges Mädchen
wartete dort. Sie erklärte Familie Krüger, dass ihr Vater nicht kommen konnte,
da auf einem Feldweg ein Reh angefahren wurde. Sie zeigte der Familie kurz das
Waldstück, das ihrem Vater gehörte. Sie selbst musste aber wieder zurück.
Unentschlossen standen die vier mit Ausnahme von DJ vor dem Wald. DJ aber lief
fröhlich hinein. Schnell eilten die vier hinterher. Kurz drauf blieben sie vor
einem schönen kleinem Tannenbaum stehen. Die Eltern fanden ihn passend, aber
natürlich maulten die Kinder. "Der ist doch ganz mickrig und dem fallen alle
Nadeln aus!", meckerte Sophie. In der Diskussion achteten sie nicht auf DJ, der
munter noch weiter in den Wald lief, denn er verfolgte eine Kaninchenspur. Die
Kinder überzeugten die Eltern noch weiterzusuchen. Sie sahen noch etliche
weitere Bäume an, aber die gefielen entweder den Kindern oder Eltern nicht.
Plötzlich fiel Jürgen auf, dass DJ fehlte. Er rief nach ihm. Doch er war wie vom
Erdboden verschluckt. Die vier fingen an, ihn zu suchen. Aber er blieb
verschwunden. Und jetzt fing es auch noch zu allem Ãœberfluss an zu schneien.
Erst langsam, dann aber immer stärker und bald lag eine dicke Schneeschicht auf
dem Boden und den Bäumen. Und von DJ fehlte immer noch jede Spur! Sie riefen ihn verzweifelt. Aber ohne Erfolg!

Es wurde schon dunkel und immer ungemütlicher. Da sagte Marianne: "Es bringt
jetzt nichts mehr weiterzusuchen, lasst uns nach Hause fahren. An seinem
Halsband steht doch unsere Adresse." Die Kinder waren zu müde, um zu
widersprechen. Schweigend gingen sie aus dem Wald und den Weg zum Auto zurück.

Sie waren noch nicht ganz beim Auto angelangt, da kam ein tropfnasser DJ
schwanzwedelnd auf sie zu. Es gab ein großes Hallo und alle knuddelten ihn. Erst
nach zehn Minuten saßen alle fünf glücklich im Auto und es ging nach Hause.
Diesmal quengelte keines der Kinder, denn sie schliefen Arm in Arm mit DJ auf
der Rückbank. Erst am nächsten Morgen fiel der Familie auf, dass sie ja immer
noch keinen Baum hatten! Doch diesmal stimmten alle zu, den Tannenbaum im Dorf
zu kaufen. "Aber nächstes Jahr fahren wir noch mal in Christians Wald. Und dann
nehmen wir DJ an die Leine!", sagte Justin.