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13. Dezember: Nicht richtig aufgepasst


von Torge Kolditz

Hans ist ein kleiner 6-jähriger Junge. Er hat noch zwei große Brüder im Alter von 9 und 16 Jahren. Sein Vater arbeitet in einer Lebkuchenfabrik. Jedes Jahr in der Weihnachtszeit bringt er fast jeden Tag Lebkuchen mit. Hans freut sich immer auf die Weihnachtszeit. Es gibt Lebkuchen, Geschenke und einen Weihnachtsbaum. Diesen zu schmücken macht Hans immer viel Spaß. Am 24. Dezember fuhr er mit seinem Vater los, um einen Weihnachtsbaum zu kaufen. Als Hans' Bruder den Weihnachtsbaum noch aufstellte, hatte Hans die Kerzen wie jedes Jahr schon ausgepackt und in die Ständer gesteckt. Kurze Zeit später stand der Weihnachtsbaum und die ganze Familie fing an den Baum zu schmücken. "Ach, sieht der Baum dieses Jahr nicht schön aus?", fragte die Mutter, als der Baum fertig geschmückt war. "Gut! Dann können wir ja jetzt die Kerzen anzünden!", rief Hans aufgeregt, denn er fand, der Baum war erst fertig, wenn alle Kerzen angezündet waren.

So wurden alle Kerzen angezündet und es sah sehr schön aus. "Ich mache jetzt Essen", sagte Hans' Mutter. Sofort riefen seine beiden Brüder im Chor: "Wir helfen dir!" "Hans, passt du mal auf die Kerzen auf? Ich gehe kurz in den Keller um noch ein paar Kugeln für unseren Baum zu suchen. Ich finde, es könnte nicht schaden noch ein paar Kugeln anzuhängen", bat der Vater Hans.

Hans dachte sich: "Warum so doll aufpassen? Schließlich ist noch nie etwas passiert." Doch plötzlich fiel eine Kerze wie von Geisterhand herunter, blieb in den Zweigen hängen und entzündete den Baum. Jetzt wurde Hans panisch, er lief aufgeregt in die Küche: "Mama, Mama! Der Weihnachtsbaum brennt!" Schnell rannten alle ins Wohnzimmer.

Als die Mutter das Wohnzimmer betrat, traf sie fast der Schlag, denn nun brannte der Baum bereits lichterloh. Hans' Vater, der die Aufregung wohl gehört hatte, nahm sich hastig den Feuerlöscher, der im Keller lag. Doch der Löscher war sehr schwer. Darum konnte er nicht so schnell gehen. Hans wurde immer aufgeregter und schrie: "Komm schnell Papa! Gleich fangen die Wände schon an zu brennen!" Schließlich schaffte es Hans' Vater den Feuerlöscher ins Wohnzimmer zu hieven und den Brand zu löschen.

Zum Glück lagen noch keine Geschenke unter dem Baum. Auch die Wände des Wohnzimmers waren noch unversehrt. Es gab nur zwei Probleme: Die Familie hatte jetzt einen kohlrabenschwarzen Weihnachtsbaum und einen hässlichen schwarzen Rußfleck an der Decke. "Hans! Warum hast du nicht richtig aufgepasst?", schrie der Vater wutentbrannt. "Es tut mir Leid! Es ist nie was passiert, da dachte ich: Warum sollte ausgerechnet jetzt was passieren? Außerdem bringt es jetzt auch nichts mehr zu streiten!", entgegnete Hans. "Na gut, du hast ja Recht. Streiten nützt jetzt auch nichts mehr. Wir müssen uns überlegen, wie wir unser Weihnachtsfest noch retten können."

Plötzlich unterbrach Hans' 16-jähriger Bruder die nachdenkliche Stille: "Hey, hört mal, ich hab 'ne Idee! Den Rußfleck an der Decke streichen wir schnell mit weißer Farbe über und den Baum sprühen wir mit dem grünen Lack ein, mit dem ich neulich Hans' Roller lackiert habe. Die Farbe müsste noch reichen."

Damit waren alle einverstanden. Es war zwar eine komische Idee, doch es war die einzige Möglichkeit, das Fest noch zu retten. Der Vater holte die weiße Farbe aus dem Keller und die Jungen brachten den Weihnachtsbaum schnell nach draußen vor die Garage um ihn dort zu lackieren. Zum Glück schien die Sonne und trocknete den Lack schnell. Am Abend konnte die ganze Familie ein zweites Mal den Baum schmücken.

Nur wurde diesmal nach der schlechten Erfahrung eine elektrische Lichterkette an die Zweige gehängt. So wurde es noch eine schöne Bescherung.