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18. Dezember: Die drei Weihnachtsmänner


von Katharina Göing

Ich ging mit meinen Eltern wie jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit von Kaufhaus zu Kaufhaus. Sie blieben mit mir vor jedem Schaufenster stehen, obwohl ich an der Hand meiner Mutter zog und weiter wollte. Auf einmal sagte mein Vater zu meiner Mutter: "Schau dir mal diesen schönen Mantel an. Ist der nicht hübsch?" "Ja, antwortete meine Mutter. Der gefällt mir sehr gut." Nun dachte ich schon wieder an das schlimmste! Sie wollten doch nicht schon wieder in ein Kaufhaus? Doch wie gedacht, schon getan. Meine Eltern schleiften mich gegen meinen Willen in das Geschäft.

Im Geschäft saß unter anderen auch der Weihnachtsmann. Heute weiß ich ja, dass es gar keinen Weihnachtsmann gibt, aber damals dachte ich wirklich, es wäre der echte. "Mama", sagte ich, "ich möchte dem Weihnachtsmann auch etwas sagen." "Dann geh mit Papa zu ihm und ich gucke mir in der Zeit den Mantel an", antwortete mir meine Mutter. Also gingen mein Vater und ich zu ihm und ich setzte mich auf seinen Schoß. "Wie heißt du denn, mein Kleines?", fragte mich der Weihnachtsmann. "Ich heiße Nelli und bin 4 Jahre alt", sagte ich. "Und was wünscht du dir, Nelli?", fragte er weiter. "Ich wünsche mir", sagte ich, "dass..."

Bei dem Wort blieb ich stehen. Wie konnte der Weihnachtsmann denn sich die Zeit nehmen und vom Nordpol nach Hannover fahren, nur damit ein paar Kinder ihm ihre Wünsche sagten? Ich zog ihm also kurz an seinem Bart, um festzustellen, ob es wirklich der echte Weihnachtsmann war. Es muss aber doch lang genug gewesen sein, weil ich seinen weißen Bart plötzlich in meiner Hand hatte. "Ich wusste es doch", dachte ich mir. "Ich wünsche mir, dass der ECHTE Weihnachtsmann mir dieses Jahr meine Geschenke überreicht", sprach ich meinen Wunsch zu Ende aus.

Der Mann guckte blöd. Doch ich kletterte von seinem Schoß, nahm Papa an der Hand und ging mit ihm aus dem Kaufhaus. In der Zeit bis zum Heiligen Abend merkte ich oft, wie meine Eltern tuschelten und mich fragend anguckten. Sie machten sich wohl Sorgen um meinen komischen Wunsch, obwohl ich ihn eher günstig fand.

Schließlich verging die Zeit schnell und es war 19:00 Uhr am Heiligabend. Wir hatten einen sehr großen Tannenbaum, dieses Jahr sogar mit echten Kerzen. Auf einmal klingelte es an der Tür. Ein paar Sekunden später kamen drei Weihnachtsmänner auf mich zu. Papa guckte Mama nur fragend an. Meine Mutter verstand anscheinend genau so wenig wie er und ich.

"Einer von den dreien muss jetzt aber der Echte sein", dachte ich. Ich hatte mir schon wieder eine neue Masche ausgedacht um das herauszufinden. Und zwar die Mantel-auf-Masche. Der Echte müsse auch noch etwas Rotes drunter anhaben, dachte ich mir.

Ich wollte gerade anfangen, da stieß unser Hund leider den Baum um, wahrscheinlich vor Schreck über die drei Gestalten. Sofort brannte der Baum hell auf. Alle erschraken! Mein Vater holte schnell den Feuerlöscher aus dem Nebenraum. Ich handelte gleich und nahm unseren Hund aus dem Qualm. Danach brachte ich ihn in mein Zimmer und sang ihm ein Schlaflied. Das hätte ich wohl besser nicht tun sollen, denn ich schlief auch ein. Dieses Jahr hatte ich die Hälfte des Heiligen Abends also verschlafen. So was Blödes! Erst später kam ich hinter das Rätsel der drei Weihnachtsmänner, das so entstanden ist: Meine Eltern müssen wohl bei all unseren Nachbarn meinen komischen Wunsch weiter erzählt haben. So kam es, dass drei unser Nachbarn sich gedacht haben, dass meine Eltern immer noch keinen für die Weihnachtsmannrolle gefunden hatten. Also dachte jeder der drei: "Spiele ich halt mal Weihnachtsmann!" Und natürlich wusste keiner etwas vom anderen. Ach Nachbarn, das Erlebnis der drei Weihnachtsmänner werde ich dank euch wahrscheinlich nie vergessen!