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3. Dezember: Wo sind wir hier?


von Lilli Pelz

Dieses Jahr will Familie Schneider Weihnachten auf dem Land feiern. Dort haben sie nämlich ein kleines Haus. „Alle einsteigen, die Koffer sind gepackt, wir können los", rief der Vater. Die Eltern und die Kinder Annika, Anita und Alexander stiegen ins Auto. Jetzt machten sie sich auf den Weg.

Plötzlich fing die Mutter an sich Sorgen zu machen: „Habe ich den Herd ausgemacht und die Kerzen vom Adventskranz ausgeblasen?" „Mach dir keine Sorgen Jana, falls es brennen sollte, hast du ja den Wasserhahn nicht zugedreht."

„Was?", fragte die Mutter schockiert. „War doch nur ein Scherz. Es ist alles in Ordnung also lass uns in Ruhe fahren", antwortete Herr Schneider. Einige Stunden später fragte Anita: „Papa bist du dir sicher, dass wir hier richtig sind?" „Hey, zweifelst du etwa an meiner Abkürzung? Ihr wisst doch, ich verfahre mich nie.

Darauf erwiderte Annika: „Ach nein, und was war damals, als wir Oma besuchen wollten? Du hast dich total verfahren, wir haben einen Umweg von 40 Kilometern gemacht. Und nicht zu vergessen Onkel Franz…" Der Vater unterbrach sie: „Wenn du mich für so einen schlechten Fahrer hältst, dann kannst du ja aussteigen und alleine den Weg suchen!" Herr Schneider bog an einem Waldweg ab und hielt an.

Plötzlich stieg Annika aus und verschwand hinter den Bäumen. „Spinnst du?", schrie die Mutter, „du weißt doch, dass Annika niemals nachgeben würde, sie ist viel zu stolz. Wieso musstest du anhalten?"

Der Vater versuchte alles zu erklären: „Ich habe mich verfahren und weiß nicht mehr, wo wir sind." „Ist das wieder einer deiner blöden Scherze?", fragte die Mutter genervt. „Diesmal nicht", antwortete der Vater. Die Mutter geriet in Panik. „Oh mein Gott, wir müssen sie finden. Wer weiß was ihr passieren kann, außerdem ist es schon spät." Herr Schneider atmete tief durch: „OK, ihr bleibt hier, lasst die Scheinwerfer an, damit ich euch sehe und ich gehe Annika suchen."

Annika ging lange Zeit vorsichtig durch den finsteren Wald, sie wollte nicht stolpern. Auf einmal hörte sie ein komisches Geräusch. Es kam immer näher. Das Mädchen versuchte sich zu beruhigen: „Es ist bestimmt nur ein Reh, ein harmloses Reh." Trotzdem hatte sie große Angst und begann zu zittern. Sie fing an zu laufen, aber nach zehn Minuten konnte sie nicht mehr, sie war zu müde.

Da packte sie jemand von hinten. Annika schrie so laut sie nur konnte.Doch dann sagte eine vertraute Stimme: „Annika, beruhige dich, ich bin es doch." Sie drehte sich um: „Papa! Bin ich froh dich zu sehen – Ähm, was machst du hier? Ich wäre alleine zurechtgekommen und ich hatte überhaupt keine Angst."

Der Vater umarmte sie. „Natürlich hattest du keine Angst, du bist ja sehr mutig. So, nun lass uns zum Auto gehen. Ich kenne den Weg noch, er ist gar nicht kompliziert." Als die beiden endlich zurück waren, waren die restlichen Familienmitglieder sehr erleichtert. Sie stiegen ins Auto und fuhren los.

„Wo willst du hin?", fragte Alexander überrascht. Herr Schneider erzählte: „Als ich Annika suchte, habe ich bemerkt, dass das Dorf gleich hinter dem Wald ist. Das heißt, wir müssen geradeaus und dann nach rechts abbiegen." Der Vater hatte Recht und die Familie kam, bevor ein Schneesturm begann, heil an.