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Austauschschüler


Ximena aus Ecuador (LZ 14.02.03)

Ximena - als Tochter ein Glücksfall

18-Jährige aus Ecuador lebt ein Jahr in Lohnde

Von Axel Emmert.

Auch das verlockende Angebot ihres Vaters, ihr ein Auto zu kaufen, wenn sie nicht weggeht, half nichts: Ximena Calderon (18) aus Ecuador wollte unbedingt für ein Jahr als Austauschschülerin nach Europa reisen. Sie packte im Sommer vergangenen Jahres ihre Koffer, setzte sich ins Flugzeug und landete bei Familie Tilling in Lohnde. Die Tillings hatten sich um eine Austauschschülerin beworben. „Hier habe ich meine zweite Familie gefunden, ich fühle mich pudelwohl", sagt Ximena in fast akzentfreiem Deutsch.

Inzwischen ist daheim auch der Papa ohne Sorge. „Er weiß, dass es mir gut geht, und es ist geplant, dass sich beide Familien vielleicht schon im nächsten Jahr einmal kennen lernen", sagt Ximena. Für die Gasteltern Matthias und Ilona Tilling (beide 47) und deren Tochter Andrea (16) ist Ximena schnell zu einem Familienmitglied geworden. „Sie hat es mir auch leicht gemacht, da unser Sohn Stefan für ein Jahr als Austauschschüler nach Amerika geflogen ist", sagt Ilona Tilling. Ximena sei ein „absoluter Glücksgriff".

Tochter Andrea wünschte sich eigentlich einen Jungen als Gastbruder. „Doch inzwischen bin ich richtig glücklich über Ximena, sie ist für mich wie eine Schwester", sagt die 16-Jährige.

Hier in Deutschland sei alles viel lockerer als in ihrer Heimat in Ecuador, hat Ximena inzwischen festgestellt. Dort, in Ibarra, einer Stadt mit rund 100 000 Einwohnern, besuchte die junge Frau eine katholische Mädchenschule. In Letter geht sie in die 11.Klasse des Büchner-Gymnasiums.

Dort muss sie keinen Leistungsnachweis mehr erbringen, da sie in ihrer Heimat die Schulzeit abgeschlossen hat. Dennoch macht es ihr inzwischen Spaß, sich mit allen positiven und negativen Begleiterscheinungen am alltäglichen Schulleben zu beteiligen. Ab Herbst dieses Jahres möchte Ximena in Ecuador Psychologie studieren. „Da hat es mir hier in Deutschland sehr geholfen, dass ich ein Praktikum in der Lebenshilfe machen durfte. So etwas gibt es in meiner Heimat nicht", erzählt die 18-Jährige.

Lohnde gefällt ihr sehr gut. „Besonders die schönen Wanderwege entlang der Leine", sagt sie. Auch mit dem Essen kommt sie sehr gut klar. „Ich glaube, ich werde am meisten die deutsche Bratwurst vermissen, die esse ich so gerne", gesteht das Mädchen.

Einige Monate bleibt Ximena noch in Deutschland. Familie Tilling mag über den Abschied gar nicht nachdenken. „Ich fürchte, der wird sehr tränenreich", sagt Gastmuttter Ilona.

(aus der Leinezeitung vom 14.2.2003)
(die Hervorhebungen sind vom Webteam, um die Lesbarkeit am Bildschirm zu erleichtern)