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“Cavaleria Rusticana“ und “Der Bajazzo“


Am 14. April waren wir mit der Opern AG unserer Schule in „Cavalleria Rusticana“ und „Der Bajazzo“. Die beiden Opern von Pietro Mascagni (Cavalleria Rusticana) und Ruggero Leoncavallo (Der Bajazzo) zählen zu Werken des Verismo. Unter Verismo versteht man die möglichst realistische Darstellung der Welt mit ihren sozialen Problemen. Im Mittelpunkt der Opernhandlung stehen deshalb Menschen des Alltags und keine Götter oder Helden.
Diese beiden einaktigen Opern werden meistens aufgrund ihrer Kürze und ihrer ähnlichen Thematik an einem Opernabend gemeinsam aufgeführt. Calixto Bieito geht in der hannoverschen Inszenierung jedoch noch einen Schritt weiter und verknüpft beide Handlungen miteinander. Die Aufführung beginnt mit dem Prolog des Bajazzo, anschließend lässt Bieito „Cavalleria Rusticana“ folgen, in der eine junge Bäuerin namens Santuzza von ihrem Geliebten Turiddu mit einer anderen Geliebten (Lola) betrogen wird. Turiddu hatte Lola vor seinem Antritt zum Wehrdienst ewige Treue geschworen. Doch als er zurückkehrt, ist Lola bereits mit Alfio liiert. Turiddu geht deshalb eine Beziehung mit Santuzza ein, die ihn jedoch schnell langweilt. In dieser einseitigen Beziehung nutzt Turiddu Santuzza nicht nur aus, sondern er kränkt sie zutiefst in ihrer Ehre. Santuzza schwört Rache, an der sie zugrunde geht. Dieses ist die Ãœberleitung zum Bajazzo. Um die Parallelen der Handlungen aufzuzeigen, wandelt sich Turiddu zu Canio, der seine Ehefrau (Nedda) ebenso schlecht behandelt wie zuvor Turiddu Santuzza. Auch der Bajazzo endet mit Intrigen, Streit und Todschlag. Dazu feiert dann eine Partygesellschaft fröhlich und belustigt sich an dem Streit der Anderen. Schließlich bricht Canio zusammen und auf der Bühne ist eine blinkende Leuchtschrift mit dem Slogan „The world is not enough“ zu sehen.
Als erstes möchte ich an dieser Stelle die außerordentlichen Leistungen der Sängerinnen und Sänger herausstellen, sowohl gesanglich als auch schauspielerisch. Die Musik war ein voller Genuss. Wenn man die Augen schloss, konnte man träumen, doch wenn man auf die Bühne sah, war ich persönlich geschockt von der szenischen Umsetzung des Stückes. Meiner Ansicht nach sollte man in der Oper ein gewisses Niveau an traditionellem und an moralischen Werten haben und sich nicht auf die Stufe der Unterhaltung im Fernsehen begeben.
Bieito hat natürlich recht mit seiner Aussage, dass diese Welt nicht genug ist. Es wird auf dieser Erde immer Streit geben. Wenn der Regisseur mit der Inszenierung die heutige Gesellschaft kritisieren will, kann ich ihm ebenfalls zustimmen, denn in einer egoistischen Gesellschaft in der man um seine Existenz kämpfen muss, kann man schnell zugrunde gehen, wie man an dem Beispiel von Santuzza sehen kann. Allerdings finde ich es nicht so gut, dass ich jetzt jedes Mal wenn ich zu Mac Donalds gehe, an den ekelhaften Clown erinnert werde. Ich würde es begrüßen, wenn die Inszenierungen in der Oper in Zukunft nichts Anzügliches mehr haben würden.

Christiane Loge, Jahrgang 12, Georg-Büchner-Gymnasium