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Berufs-Erkundungen in Dassel


Seit nunmehr 13 Jahren findet jedes Jahr für den 11. Jahrgang ein Seminar statt, das der Erkundung der jeweiligen Berufswünsche gilt.
Eigentlich sollte sich das Georg-Büchner Gymnasium da auch ruhig einmal selber loben dürfen: zwar haben alle Schulen Niedersachsens den Auftrag, einen Teil des Unterrichts dieser Fragestellung zu widmen, aber keine andere Schule führt eine Veranstaltung durch, die – ins Leben gerufen und organisiert seit 13 Jahren von Herrn Dietrich - in ähnlich aufwändiger Weise die berufliche Orientierung der Schülerinnen und Schüler von allen Seiten beleuchtet.

DASSEL ist ein CVJM-Heim im Solling, einsam gelegen, was die Konzentration auf die Arbeit, aber auch auf das Miteinander sehr begünstigt. Sowohl Zimmerstandard als auch Essen werden allgemein gelobt. Zitat: „Irgendwo muss doch der Haken sein bei so toller Unterbringung!“ Es gibt aber keinen Haken!

Warum findet eine solche Veranstaltung nicht in den Räumen der Schule statt?
Zum einen haben wir gar nicht so viele Räume, denn der Unterricht der übrigen Klassen soll ja auch noch erteilt werden, zum anderen ist eine derart konzentrierte Informationsweitergabe und ein entsprechend intensives Arbeiten, wie wir es immer wieder in Dassel erleben, nur möglich ohne Ablenkung von außen – kein Freund, der vor der Tür wartet, kein Job, der angetreten werden muss, kein Fernsehprogramm, keine Kneipe.

Beeindruckend finden wir immer wieder, wie intensiv in Dassel gearbeitet wird. Das Programm enthält kaum Pausen, bis in den späten Abend hinein werden Veranstaltungen angeboten. Die größte Zustimmung finden zumeist die Ehemaligen – ehemalige Schülerinnen und Schüler des Georg-Büchner Gymnasiums, die über ihren gewählten Beruf berichten. Diesmal waren dabei: eine Ärztin, ein Pilot, eine Flugbegleiterin, ein Kulturwissenschaftler, eine Psychologin und Unternehmensberaterin, eine Juristin und eine Lehrerin.

Auf ähnlich große Resonanz stießen zwei Herren der AOK, die sehr engagiert ein mehrstündiges Bewerbungstraining durchführten. Insbesondere die praktischen Anteile (Gruppendiskussionen, Vorstellungsgespräche vor laufender Videokamera) zeigten den Schülern, wie sinnvoll die Auseinandersetzung mit berufskundlichen Aspekten ist.

Was ist ein Seminar? Wo liegt der Unterschied zwischen Fachhochschule und Universität? Wie lange dauert ein Studium? --- Auf solche und ähnliche Fragen gingen Frau Gertner, Studienberaterin der Universität Hannover, und Frau Dr. Fahl, Studienberaterin der Fachhochschule, in ihrem sehr informativen Vortrag ein.

Auch Herr Krause vom Arbeitsamt Hannover ist seit vielen Jahren dabei. Besonders gefragt sind seine abendlichen Einzelberatungen, so dass er auch diesmal wieder erst sehr spät an seinen Feierabend denken konnte.

Der letzte Tag ist traditionell den Firmen gewidmet.
Ausbildungsleiter verschiedener Firmen und Institutionen reisen an und bringen auch gleich immer ihre Auszubildenden mit. VW, Conti, Wabco, Verlagshaus Madsack, die Deutsche Bank, die Lindener Volksbank, Polizei Niedersachsen, Riedel de Haen – inzwischen (noch) - Honeywell, Preussen Elektra, Siemens – für den einen die Möglichkeit, sein späteres Berufsfeld zu erkunden, für den andern ein Einblick in bisher unbekannte Bereiche. Jede Schülerin und jeder Schüler hat die Möglichkeit, in jeweils zwei Arbeitsgruppen die anwesenden Vertreter der Arbeitswelt mit Fragen zu löchern - und manchmal springen sogar Kontakte dabei heraus, die einem ja vielleicht später noch einmal dienlich sein können.

Und das Fazit – aus Lehrersicht - nach drei vollgepackten Tagen?
Lohnt sich der ganze Aufwand, die viele Arbeit im Vorfeld? Kann dasselbe nicht auch im Unterricht erreicht werden? Wir meinen, dass dies nicht möglich ist. Sicher gibt es auch immer kritische Stimmen, wenn jemand sich über das Studium informieren soll und doch schon ganz genau weiß, dass er gar nicht studieren will. Oder wenn der gewünschte Beruf sich nicht im Angebot befindet. Aber kann man nicht auch einfach seinen Horizont erweitern und lernen, über den Tellerrand zu gucken? Manche sind bei ihrer Zukunftsplanung einige Schritte weitergekommen, andere sind verunsichert oder aber sie sehen ihre beruflichen Pläne jetzt realistischer. Die meisten sind erstmal wie erschlagen von den vielen Informationen, die sich sicher erst nach einiger Zeit setzen können. Manche haben auch den Eindruck, dass das Abitur doch noch sehr weit ist – aber ist nicht der 11. Jahrgang genau der richtige Zeitpunkt, um sich an seine beruflichen Ziele heran zu tasten und so zu einer relativ sicheren Entscheidung zu gelangen?

Besuch im Berufsinformationszentrum (BIZ) in der 10. Klasse, berufsorientierendes Seminar in Dassel, vierzehntägiges Betriebspraktikum im Januar, jeweils Vor- und Nachbereitung im Politikunterricht – ich denke, unsere Schule tut viel, um Schülerinnen und Schülern zu begleiten und ihnen auf ihrem Weg zu einer befriedigenden Berufsentscheidung zu helfen.

Ach, und noch ein Nachsatz: liebe Abiturientinnen und Abiturienten (eigentlich stimmt diese Anrede ja gar nicht mehr, denn wenn ihr diese Sätze lest, seid ihr ja vermutlich schon EHEMALIGE).

Jedenfalls würden wir uns sehr freuen, wenn ihr in einigen Jahren, wenn ihr am Ende eurer Ausbildung angelangt seid oder schon im Schweiße eures Angesichts die Brötchen verdient, euch mal wieder bei uns melden würdet, um eurerseits in Dassel Schülerinnen und Schülern des 11. Jahrgangs von eurem beruflichen Werdegang zu berichten. Einfach in der Schule anrufen und Namen und Telefonnummer hinterlassen. Wir rufen dann zurück!!