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Zwischen 19.00 und 23.00 Uhr


"Zwischen 19.00 und 23.00 Uhr" - (aus dem Jahrbuch 2001/02)

A: Hilfe! Warum rennt die Zeit so schnell, so dass wir uns jetzt auf einmal so irre beeilen müssen mit unserem Bericht?
M: Tja, da bleibt uns wohl nur eins: loslegen!
A: Ja genau und wenn wir uns beeilen müssen, dann labern wir vielleicht nicht ganz so viel Müll, der dann wieder keinen interessiert!...
M: So let`s go! Erinnerst du dich noch an AIDA, das war doch die erste Oper in dieser Saison, oder?
A: Mmm, aber ich denke vorab muss man erst einmal erwähnen, dass die Inszenierungen dieses Jahr SEHR modern waren – allen hat es ja nicht gefallen...wie man auch in der Zeitung lesen konnte.
M: Aber der große Skandal kam doch erst später.
A: Jaaa!
M: Bei AIDA fand ich zum Beispiel die Technik mit dem Bühnenbild cool – der Würfel, der sich ständig verändert hat. Der harmonierte auch gut mit dem Modernen, obwohl ich eher zu denen gehöre, die es lieber klassisch mögen.
A: Tja, der wurde schon gut zur Raumaufteilung und somit auch als zweiter, variabler Schauplatz benutzt. Aber richtig Hammer war natürlich der Chor – so etwas Stimmgewaltiges!
M: Stimmt. Aida war jedoch auch klasse.
A: Betrachtet man die Saison mal rückblickend, dann war AIDA noch richtig soft. ORPHEUS IN DER UNTERWELT hingegen, man oh man, wenn es gleich damit beginnt, das Leute im Publikum aufstehen, auf die Bühne marschieren, sich ausziehen und anfangen zu duschen...
M: Wow, da sahen Einige schon nicht schlecht aus! Und weißt du noch wie die alte Dame im Publikum plötzlich aufgesprungen ist und die Szene schlecht hin gemacht hat? Ich hätt´ mich beinah vom Stuhl gekullert vor lachen!
A: Das war aber auch schauspielerisch einwandfrei! Ãœberhaupt wie sie immer wieder die Handlung unterbrochen hat um ihre Meinung kunt zu tun! Heftig ging es dann aber auch in der Unterwelt ab, wohin Eurydike verschleppt wurde und hiermit wären wir auch schon bei der Haupthandlung und dem Haupthandlungsort.
M: O ja, wie der Prinz von Arkadien anfing zu singen – ich dachte dem ham` se die Eier eingequetscht!
A: Ja, ja wie soll ein Mann sonst so hoch singen – frag ich mich echt manchmal! Aber ich denke bei dieser Oper ist es außerdem wichtig zu erwähnen, dass das Bühnenbild sehr bunt und aufwendig gestaltet war – die Anspielung auf Olympia im Zusammenhang mit dem Olymp war auch gelungen.
M: Man haben wir gelacht, nur schade dass es im zweiten Akt umgekippt ist und nur noch gepoppt wurde.
A: Man konnte halt sehr eindrucksvoll erkennen, was für ein feucht – fröhliches, zu Weilen hemmungsloses Leben die Götter anscheinend führten. So fremd sind sich die Menschen und die Götter also gar nicht...
M: Was sagst du eigentlich zu DON GIOVANNI – wo wir gerade bei hemmungslos sind?
A: Ich persönlich fand es sehr gelungen auch wenn die benutzten stilistischen Mittel zugegebener Maßen teilweise recht heftig waren – aber sie waren zu jeder Zeit passend eingesetzt!
M: Interessant fand ich ja, dass die weiblichen Charaktere vertauscht wurden. Hier war es ja so, dass die edle Donna Anna sehr schlampenhaft wurde und Donna Elvira hingegen gar nicht mehr männermordend, sondern das naive Dummchen war.
A: Mir können die Kritiker in den Zeitungen und die buhenden Leute in der Oper ja erzählen, was sie wollen – wenn man es interessant findet das Verhalten von Menschen zu analysieren war diese Oper einsame spitze – teilweise war ich so gefesselt, dass die Musik es geschafft hat mir wahre Schauer über den Rücken zu jagen!
M: Naja, ich fand zwar die Kritiken auch überzogen, aber mich reizt an der Oper das Abtauchen in eine Fantasiewelt,- Vergessen des Alltags, Träumereien,... und das kann ich am besten in einer klassischen Vorführung. Diese Inszenierung war nur auf Kritik an der Gesellschaft ausgelegt. Warum kann man diese Komponenten nicht verbinden, die Geschichte bleibt doch die Gleiche?!
A: Vielleicht fällt bei einer Inszenierung in der heutigen Zeit die Identifikation leichter? Doch wo wir schon beim Thema träumen sind – wie fandest du denn den BALLETTABEND 2 – NACH MOSKAU? Dem Zuschauer waren hier ja schon eine Menge gedanklicher Freiheiten gelassen, und auf der anderen Seite doch irgendwie gewisse Klischees verkörpert...
M: Tja, trotzdem denke ich der Choreograph hat sich eine ganze Weile mit dem Thema Russland auseinandergesetzt hat. Mir ging es jedenfalls so, dass ich ohne Eddies Geschichtsunterricht oftmals keine Interpretationsansätze gehabt hätte.
A: Tja Eddie ist ja auch cool! Hier einmal viele Grüße an Sie! Aber nun zu dir M., mir persönlich geht es beim Ballett so, wie dir bei der Oper, ich komme mit modernen Stücken nicht so gut klar wie mit klassischen.
M: O, ich seh' das beim Ballett genauso, wie bei Opern!
A: Zum Teil kann es ja mega entspannend sein so vor sich hinträumen zu dürfen. Ich fühle mich nach der Oper oft super entspannt, da du dich viel mit deiner eigenen Meinung und Weltanschauung beschäftigst und so zu dir selber findest. Besonders gut ging das auch wieder bei unserem vorletzten Stück GIULIO CESARE IN EGITTO...
M: Ich sag nur das Krokodil - rattenscharf - der stille Beobachter! Sag mal, hat dich eigentlich gestört, dass die meisten Männerrollen mit Frauen besetzt waren?
A: Ist in jedem Fall besser, als wenn man die Männer wie früher kastrieren würde, nur damit sie ihre knabenhafte Stimme behalten.
M: Ptolemeus haben sie wohl vergessen das zu erzählen.
A: Nobody is perfect. Aber der singende Kopf, bei dem dann der Körper so plötzlich verschwunden war, war auch nicht ohne, um ehrlich zu sein war es schon richtig ekelhaft – so die gelungene Mischung aus Faszination und Ekel!
M: Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Alles in allem fand ich die Ironie in dem Stück sehr gelungen. Gleichzeitig war das Stück aber auch schwer zu verstehen, da kein Obertitel da war und es teilweise starke Unterschiede zum Textheft gab.
A: Ja, das war schon nicht ganz einfach. Doch ich denke wir sollten jetzt auch mal so langsam zum Schluss kommen. Jedoch last but not least: vielen, vielen Dank an Frau Birth, die uns immer sehr gut auf die Opernbesuche vorbereitet hat!
M: Außerdem möchten wir uns auch für Kuchen, Kekse, etc. bedanken, die alles noch persönlicher gemacht haben. Es war immer lustig und wir sind schon gespannt auf unsere letzte Oper JENUFA mit der Opern-AG.


Anna und Mella, 13. Jg.