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Schulgarten


1. Die Historie

Der Schülerrat des Georg-Büchner Gymnasiums hatte 1993/94 die Idee, einen Teil der ziemlich großen und reichlich tristen Rasenflächen des Schulgeländes in einen Schulgarten zu verwandeln. Das Vorhaben wurde von den damaligen SV - Beratungslehrerinnen (Frau Schäfer und Frau Thömen) und einer Vertreterin des Schulelternrates (Frau Hovan) unterstützt.

Der Schulträger, die Stadt Seelze, hatte nichts gegen das Projekt. Die Mitglieder des Schülerrates sammelten Spenden für ihren Garten, bekamen einen großen Betrag vom Verein der Freunde des GBG´s, erhielten von der Stadt Seelze die Zusage, dass Mitarbeiter des Bauhofs die Grasnarbe abtragen und kostenlos Mutterboden liefern, sowie den Zaun aufstellen würden. Die Feuerwehr des Nachbardorfes bohrte einen Brunnen, zwei Schüler erwarben für wenig Geld ein gebrauchtes kleines Gerätehaus und stellten es auf, und im Herbst 1995 ging es los. Die ersten Pflanzarbeiten fanden in den Herbstferien statt, mehrjährige Stauden, Sträucher und Obstbäume bekamen die Schüler aus einem aufgelassenen Kleingarten und einer Gärtnerei.

2. Schulgarten GBG 1

Der Plan für den Schulgarten sah vor, in Anlehnung an alte Bauerngärten ein streng geometrisches Wegenetz anzulegen, aber die Beete umso bunter mit Blumen und Gemüse zu bepflanzen. Unzählige Stunden außerhalb der Unterrichtszeit wurden von einigen mit Gartenarbeit verbracht, die in der Gruppe beschlossenen Richtlinien waren streng: Es sollte völlig auf chemische Hilfsmittel und elektrische Geräte verzichtet werden; so wurde sogar diskutiert, ob man für den Brunnen eine Handpumpe anschaffen müsste. Das alles bedeutete sehr viel Arbeit, vor allem „Unkraut“ jäten, und es gab viel zu lernen über naturgemäßen Gartenbau. Das Projekt entwickelte sich aber durchaus positiv, solange von den Gründungsmitgliedern noch einige aktiv dabei waren. Das Geld für Geräte, Pflanzen und Samen wurde uns jährlich aus dem Erlös des Sommerfestes zur Verfügung gestellt, da es eine entsprechende Abmachung mit der Firma Peter W. Schäfer gab, die für das Fest kostenlos Einweg-Geschirr zur Verfügung stellte (eine indirekte Art des Sponsoring).

Nachdem alle, die von Anfang an dabei gewesen waren, die Schule verlassen hatten, zeigte sich, dass die Nachfolger im Schülerrat kaum noch Interesse an dem Projekt hatten, sich nicht mehr damit identifizierten. Schließlich bot Frau Thömen eine „Schulgarten - AG“ an, in der alle vom Jahrgang 7 bis 13 mitmachen konnten, die noch Interesse am Schulgarten hatten. Auf diese Weise wurde der Schulgarten bis heute erhalten und mehr oder weniger gepflegt. Zeitweise hatte die AG bis zu fünfzehn Mitglieder, manchmal waren es aber nur zwei bis drei, die wirklich kontinuierlich dabei waren. Es gab Probleme mit starker Fluktuation in der Gruppe, manche waren sehr bald nicht mehr dazu zu bewegen, unangenehme Arbeiten im Garten in ihrer „Freizeit“ zu erledigen. Natürlich gab es auch einzelne Schülerinnen, die sehr engagiert gearbeitet haben, viel über Ökologie nebenbei lernten und auch noch Spaß dabei hatten. Insgesamt aber wurde es immer schwieriger, Interessierte zu finden und zu aktivieren.

Die Entwicklung führte dazu, dass die Wenigen, die übrig waren, mit der Arbeit überfordert waren und schließlich auch keine Lust mehr hatten, zumal immer mehr der Eindruck entstand, außer der AG-Leiterin interessiere sich eigentlich niemand für dieses Projekt. Im Schuljahr 2005/06 gibt es nun die “alte“ AG nicht mehr.

3. Schulgarten GBG 2

Im Schuljahr 2004/05 hat eine neue Schulgarten – AG, Jahrgang 5 unter der Leitung von Frau Trapp die Arbeit aufgenommen.

Mit der Auflösung der Orientierungsstufe in Niedersachsen und der Umstrukturierung der Schulen kamen die Jahrgänge 5 und 6 an das Georg – Büchner - Gymnasium, die in ihrer Stundentafel 2 AG - Stunden fest verankert haben. Im ersten Schulgartenjahr 2004/05 wählten 14 Schüler-/innen sich in die Schulgarten – AG ein und wurden in zwei Gruppen in vierzehntägiger Stundenstruktur aufgeteilt. Auch im zweiten Schulgartenjahr 2005/06 wählten wieder 14 Schüler-/innen des 5.Jahrgangs die AG. Sie führen zurzeit in dieser Gruppenstärke die Schulgartenarbeit durch.

Ziele und Aufgaben der AG Schulgarten

Der Unterricht in der AG - Schulgarten eröffnet die Chance, Kinder ganzheitlich anzusprechen und zu fördern. Kinder sind neugierig und offen für neue Erfahrungen. Viele leben in Wohnsiedlungen, oft ohne den Bezug zu Lebensgrundlagen wie Boden, Pflanzen und Kleinstlebewesen entwickeln zu können. Die praktische Tätigkeit im Schulgarten ist Grundlage für die Entwicklung geistiger und körperlicher Kräfte. Umweltgerechtes Handeln praktizieren die Schüler durch konkrete Fürsorge für Pflanzen und Tiere. Innerhalb einer, durch die Abläufe der Natur und durch den Lehrer vorgegebenen Ordnung, übernehmen die Kinder Verantwortung und arbeiten im Team. Schulgartenarbeit entwickelt und fördert so verschiedene, aus pädagogischer Sicht wichtige Komponenten, weil sie soziale, emotionale, ökologische und motorische Fähigkeiten anspricht und verbindet – und das auf spielerische Weise. Der Schulgartenunterricht erfüllt umso mehr seine Aufgabe, je besser es gelingt, den Schulgarten zu einem Garten von Kindern für Kinder werden zu lassen.

Das Ziel einer wirksamen Umwelterziehung lässt sich im Schulgarten besonders effektiv verwirklichen:

  • Die Schüler erwerben Sachkompetenz, indem sie einheimische Pflanzen und Tiere sowie deren Lebensweise kennen lernen, ökologische Sachverhalte und Zusammenhänge begreifen und diese bei der praktischen Arbeit anwenden.
  • Bei der gärtnerischen Tätigkeit eignen sich die Schüler Methodenkompetenzan. Sie üben sich u. a. im Beobachten, Untersuchen und Experimentieren, Planen, Realisieren, Auswerten und Dokumentieren. Sie erlernen Arbeitstechniken und Arbeitsverfahren bei der Gartenarbeit und bei der Gestaltung mit Naturmaterialien.
  • Bei der gemeinsamen Erfüllung von Arbeitsaufgaben sind teambezogene Lern- und Arbeitsformen für die Herausbildung von sozialen Kompetenzenwie z. B. Zielstrebigkeit, Ausdauer, Geduld, Rücksichtnahme und Toleranz besonders gut geeignet.
  • Die Schüler verfeinern ihre Sinne und ihr ästhetisches Empfinden, staunen und gewinnen Freude im direkten Umgang mit Naturobjekten und Naturerscheinungen.

Die Arbeit im Schulgarten unterscheidet sich von anderen Fächern nicht nur durch ihren praktischen Charakter, sondern v. a. durch den Umgang der Kinder mit Lebewesen. Die Pflanzen reagieren unmittelbar auf ihr Tun, werden von ihrem Handeln direkt geprägt und sind auf sorgfältige Pflege angewiesen. Wer sich beim Jäten der Beete einmal weniger Mühe gibt, wird beim nächsten Mal eben mehr Arbeit haben. Die Kinder erleben die Vorgänge der Natur „hautnah“, „unmittelbar“ und „begreifbar“, sie lernen den Umgang mit den Gartengeräten, schulen Auge und Sinne bei den Naturbeobachtungen und lernen Verantwortung für die Natur. Anstelle von belehrenden Vorträgen bietet der Garten den Kindern sinnvolle praktische Erfahrungsfelder, in denen sie aus der Sache selbst heraus lernen und auf objektive Weise ihre eigenen Fähigkeiten erfahren können.

Die Aufgaben der Lehrenden verlagern sich v. a. in zwei Gebiete. Zum einen müssen organisatorische Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Kindern ein selbstverantwortliches Arbeiten ermöglichen. Zum anderen müssen Wege gefunden werden, den Kindern zu vermitteln, Aufgaben, die ihnen die Natur stellt, zu erkennen und zu bearbeiten.

Besonders der zweite Punkt, Aufgaben selbst zu erkennen, bedeutet, beobachten zu können. Nur wer genügend innere Ruhe findet, hat die Möglichkeit zu beobachten.

Zum Aufbau und zur Weiterentwicklung des Schulgartens bringen die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Ideen und Vorschläge ein oder sie werden in die Planung mit einbezogen. Die Gestaltungsarbeit neuer Projekte und die kontinuierlichen Pflegearbeiten der bestehenden Anlagen sind weitgehend Sache der Kinder, die dabei einzelne überschaubare Bereiche (z.B. Kräuterbeet, Staudenbeete, oder Kompost) selbstständig bearbeiten oder mit entsprechender Anleitung und notwendiger Aufsicht (z.B. Teicharbeiten, Baumpflege) durchführen.

Die Zukunft

In Zukunft stelle ich mir eine weitere Verzahnung der Gartenarbeit mit dem Unterricht vor. Das Biotop Schulgarten sollte regelmäßig das ganze Jahr über als Unterrichtsort im Biologieunterricht im Freien von den Klassen benutzt werden. Wünschenswert im Sinne der Nachhaltigkeit wäre es, wenn ein/e weiterer/e Lehrer-/in im Schulgarten mitarbeiten würde.

Vorhaben im Schulgarten

  • Anlage eines dreiteiligen Kompostbereichs mit Stützposten, einer Abtrennung mit einem Stabmattenzaun, vorderer Bereich bleibt offen,
  • Ãœberarbeitung des Gartenteichs,
  • Umstrukturierung des Gartens nach den alten Gartenplänen von 1993,
  • Urbarmachen von verkrauteten Gartenbereichen,
  • Einbringung von Gründünger,
  • Pflanzung einer Buschreihe im Randstreifen des Schulgartens,
  • Umschichtung großer Mengen Kompostboden im Schulgarten,
  • Anlage und Pflege eines Beets mit Beerenbüschen,
  • Überarbeitung des Zauns,
  • Reparatur des Geräteschuppens (Tür, Schloss),
  • Beschaffung von Natursteinen für eine Trockenmauer,
  • Müll/Schrott im Schulgartenbereich weiter entfernen,
  • Wiese als Sitzbereich überarbeiten,
  • Anlage eines Frühbeets,
  • Weitere Teilnahme am Projekt “Umweltschule Europa“
U. Trapp, Dezember 2011