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"Turandot"


Die Oper „Turandot“ von Giacomo Puccini handelt von einer grausamen, chinesischen Prinzessin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihre Ahnin zu rächen, die Selbstmord beging, um der männlichen Gewalt zu entfliehen. Aus diesem Grunde bestimmt Turandot, dass jeder, der um ihre Hand anhält, zuvor drei Rätsel zu lösen hat, die, wenn der Anwärter sie nicht bestehen sollte, ihn seinen Kopf kosten.

So vergehen viele blutige Jahre unter ihrer Herrschaft, bis sich Kalaf, der Sohn eines gestürzten Kaisers, in die schöne Turandot verguckt und fest entschlossen schließlich alle drei Rätsel löst. Turandot ist verzweifelt, doch erhält sie eine letzte Chance, ihrem Schicksal der Ehe zu entfliehen. Sollte sie den Namen des jungen Prinzen bis zum Morgengrauen erraten, ist sie von ihrem Versprechen befreit. In dieser Nacht wird zunächst Kalafs Vater und danach auch die in Kalaf heimlich verliebte Sklavin Liu gefoltert, um das Geheimnis preiszugeben. Diese ist bereit für Kalaf zu sterben, um ihn nicht zu verraten und so wird sie von der grausamen Turandot in den Tod geschickt. Turandot errät das Geheimnis nicht und damit liegt ihr Schicksal fest.

Die Oper am Mittwochabend hat zwar mit einer kurzen Verspätung, wegen einer kleinen technischen Panne, angefangen, aber wenn man einen netten Nebenmann hatte, war diese Zeit nicht schwer zu überbrücken. Und schließlich hat mir „Turandot“ im Allgemeinen auch gut gefallen.
Zum einen konnte man schöne chinesische Kostüme bewundern und zum anderen natürlich die Sänger selbst - besonders Turandot, die wirklich eine wahnsinnige Stimme hatte und es außerdem noch schaffte, mit sehr starkem Ausdruck ihrer Mimik und Gestik zu überzeugen! Ich will außerdem nicht das Orchester vergessen, das, wie ich finde, immer wieder ein Genuss ist - zumindest in den Aufführungen, in denen ich bereits gewesen bin.

Es gibt aber auch Punkte, die mir nicht so gut gefallen haben:

So zum Beispiel „der Mann in Schwarz“, der irgendwie da war, um... wozu noch gleich??? Ich bin mir nicht ganz sicher, aber gut eingebaut war er auf jeden Fall nicht - mit neumodischem Anzug im alten China, rumfuchtelnd mit den Händen, als wolle er irgendetwas ausdrücken, was mich, muss ich sagen, wirklich, wirklich genervt hat! Abgesehen davon, kam mir die nackte Frau auf der Bühne ebenfalls wie ein Stilbruch vor, da diese Form der Darstellung zwar am deutlichsten ist, aber auch gleichzeitig am aggressivsten und im Widerspruch mit dem sehr statisch dargestellten und vor allem traditionellen sowie konventionellen China in Widerspruch steht.

Ein Teil, den ich nicht verstanden habe, befindet sich am Ende der Oper. Dieser zeigt, wie sich Frauen und Männer des Volkes untereinander vermischen. Zwar ist die männerhassende Turandot nicht mehr „Herrscherin“ Pekings, doch die Liebe oder die Nähe zwischen Mann und Frau hat immer noch nicht gesiegt - es hat lediglich eine unfreiwillige Vereinigung stattgefunden, die nicht unbedingt Frieden zwischen dem „männlichen und weiblichen Geschlecht“ gebracht hat. Das ist auch der Grund, warum mir die Geschichte nicht so sehr zusagt. Denn letzt endlich gewinnt die Gewalt über die Liebe. Turandot, grausam, will rächen, was ein Mann ihrer liebenswürdigen Ahnin angetan hat und agiert schließlich selbst gegen die Liebe. Kalaf ist nur geblendet von der Schönheit der Prinzessin und interessiert sich nicht für ihren Charakter, oder, dass sie Liu in den Tod geschickt haben könnte. Was für eine Liebe soll das sein, frage ich mich? Eine furchtbare. Zum Bühnenbild möchte ich noch sagen, dass, obwohl es mir gefallen hat, ich die herunterfahrende Decke, die die Anspannung in Peking symbolisieren sollte, mit dem Ende der Oper unten gelassen hätte, weil diese beengende Stimmung in Peking, meiner Meinung nach, nicht verschwunden ist und doch sehr unsicher ist, was nun folgt.

Da ich neben der Vorstellung auch an einen Turandot-Workshop der Staatsoper Hannover teilgenommen hatte, möchte ich zu guter letzt noch anmerken, dass wir im Rahmen des Workshops einige Szenen nachgespielt hatten und dass, wie ich finde, unsere Art der Darstellung mindestens genauso gut war, wie die der Profis. Die szenische Interpretation von uns Schülern war lebendiger und nicht so statisch - wobei ich nicht finde, dass die vorgeführte Weise ungeeignet ist, denn sie ist ja passend für das alte China, aber eine lebendigere, dynamischere Art der Darstellung wäre vielleicht ansprechender gewesen. Mir ist nämlich aufgefallen, dass mich diese Statik selbst hat etwas steif werden lassen.

Trotz meiner Kritikpunkte finde ich, dass die Oper sehenswert ist und auch weiterempfohlen werden kann.