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Vincenzo Bellini: "I Capuleti e i Montecchi"


Die Oper "I Capuleti e i Montecchi" von Vincenzo Bellini erzählt die Geschichte der unglücklichen Liebe zwischen Romeo und Giulietta. Die Handlung erinnert stark an Shakespeares Tragödie "Romeo und Julia". Sie wurde jedoch das für Bellini Wichtigste reduziert und wirkt so für manche Kritiker, wie ein "billiger Abklatsch" des Originals; doch das ist wohl Ansichtssache.

Romeo wird als Bevollmächtigter der Montecchi mit einem Friedensvertrag zu den Capuleti geschickt, doch diese wollen nur ihre Rache für den Tod eines Familienmitgliedes. Tebaldo erklärt sich bereit Romeo zu töten. Daraufhin verspricht Capellio, das Oberhaupt der Familie, ihm die Hand seiner Tochter Giulietta. Die Versuche des Arztes Lorenzo, die Hochzeit unter dem Vorwand Giulietta sei krank zu verschieben, scheitern kläglich.
Giulietta will Tebaldo nicht heiraten, doch als Romeo sie bei einem heimlichen Treffen bittet, mit ihm zu fliehen, lehnt sie ab.
Aus diesem Grund leitet Romeo einen Angriff auf den Palast der Capuleti ein, um seine Geliebte zu befreien. Die Lage spitzt sich weiter zu, als Tebaldo und Capellio die Liebenden zusammen finden und Romeo seine Liebe für Giulietta gesteht.
Während der Kampf zwischen den zwei Familien weiter tobt, schlägt Lorenzo Giulietta vor, einen Trank zu nehmen, der sie tot erscheinen lässt. Nachdem sie in die Gruft gebracht würde, könne sie mit Ihrem Geliebten fliehen. Sie ist einverstanden. Doch Capellios Misstrauen hindert Lorenzo daran, Romeo in alles einzuweihen.
So glaubt er, als er während eines Duells mit Tebaldo von Giuliettas Prozession überrascht wird, sie sei tot. Romeo tritt an ihr Grab und nimmt aus Trauer Gift.
Kurz darauf erwacht Giulietta und sieht, dass er stirbt. Weil sie es nicht ertragen kann ohne ihn zu leben, stirbt auch sie.
Als die Familien ihre Leichen finden, will Capellio wissen, von wem sie getötet wurden. Lorenzo antwortet kurz: "Von Euch, Unbarmherziger!"

Die Oper ist im Stil des Belcanto geschrieben, das heißt, dass der schöne Klang und Gesang das Wichtigste bei dieser Art von Musik ist. Dissonanzen und dissonierende Akkorde sind daher eher seltener zu finden. Diese Form kann oft etwas befremdlich wirken, da auf der Bühne die wunderschönsten Arien und Rezitative gesungen werden und wenn man dann an den oberen Bühnenrand zum Text sieht, stellt man fest, dass gerade von Mord und Verzweiflung gesungen wird.
Um die Gefühle der beiden Hauptfiguren dennoch auszudrücken, wurde bei dieser Inszenierung das Bühnenbild als Fenster zu den Seelen Romeos und Giuliettas genutzt. Ihre innere Ausweglosigkeit wird über eine Einengung des Spielraumes deutlich gemacht.
Wo noch zu Beginn der Oper lediglich eine Art Podest vorhanden war, ist in dem Moment, in dem Lorenzo Giulietta das Gift als Ausweg gibt, ein geschlossener "Kasten" entstanden, der beengender nicht wirken könnte. - Zu dieser Darstellung passt ebenfalls der Schluss der Oper: Bevor Romeo stirbt scheint sich das Blatt gewendet zu haben; die bedrückenden Wände sind verschwunden.
Die Art, wie der Tod der Liebenden symbolisiert wurde, war für die meisten ebenfalls alles andere als erwartet. Die Sterbenden ließen die Hand vor ihren Augen sinken und der Scheinwerfer, der sie die ganze Oper begleitete, erlosch. Doch trotz aller Befremdung darüber, passte diese Form der Darstellung zu dieser Inszenierung. Auf der Bühne sollte Romeos und Giuliettas Innerstes, ihre Empfindungen gezeigt werden. Nichts anderes wurde in der Inszenierung gemacht: Das Licht des Lebens in beiden Figuren erlosch mit dem Scheinwerfer über ihnen.

So ist "I Capuleti e i Montecchi" zwar ohne Nachdenken nicht immer ganz einfach zu verstehen, aber allein die wunderschönen Melodien und die Sanftheit dieser Musik waren den Besuch wert.

Linda Brenning, Jahrgang 12