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Workshop-Bericht 22./23.9.2005


Musik-LK meets „Turandot“:

Ein Bericht zum Workshop vom 22. und 23.09.2005 im Opernhaus

Ende September hieß es für den Musik-LK 12/13 raus aus der Schule und rein ins Musikerleben im Opernhaus. Zur zahlenmäßigen Unterstützung nahmen wir gleich noch den Musik-GK von Herrn Schmidt mit. So wuchsen wir von 14 Schülern für zwei Tage auf über 20 Schüler.

Der erste Tag lässt sich am besten mit „Tag der Heinzelmännchen“ beschreiben. Wir lernten die Menschen kennen, ohne die im Opernhaus nichts laufen würde; und damit sind nicht nur die Sänger gemeint. Wir besuchten die, die sonst immer unsichtbar bleiben.

Den Anfang machten Bühnentechnik und Beleuchtung. Sie zeigten uns Teile der verschiedensten Bühnenbilder, unterschiedliche technische Möglichkeiten des Opernhauses und Wege, mit Licht auf der Bühne Stimmungen zu erzeugen; alles also Dinge, woran Musiker und Sänger eher weniger denken, wenn sie sich auf den Brettern, die die Welt bedeuten in Szene setzen. Aber auch als Zuschauer ist man im Normalfall versucht, solche fleißigen Helfer zu vergessen. Für uns wird das jetzt wohl kaum noch möglich sein, nachdem wir gesehen haben, wie viel Arbeit mit der Bühnenmaschinerie verbunden ist.

Nach der Präsentation der Bühne, sollten wir selber aktiv eine Szene aus „Turandot“ umsetzen. Dabei stellte es sich heraus, dass es gar nicht so einfach ist, eine eiskalte, nachdenkliche oder glückliche Pose auf Stichwort einzunehmen oder zu der Musik, die jeden Handlungsablauf verlangsamt, zu agieren. Opernsänger brauchen also nicht nur eine phantastische Stimme, sondern müssen auch gleichzeitig gute Schauspieler sein.

Weil eine Prinzessin wie Turandot nicht in Jeans und T-Shirt auftreten kann, zeigten uns zwei Schneiderinnen die Kostüme der Inszenierung. Bei einer so großen Produktion wie „Turandot“ mit über 100 Sängern ist es kaum zu fassen, dass jedes Kostüm, das zu sehen ist, eine von Hand genähte Einzelanfertigung ist. Als wir im Zusammenhang mit den Kostümen wieder selber arbeiten mussten, bekamen wir zwar keine Nadel und Faden in die Hand, sondern sollten mit Bundstiften ein Kostüm zu „Turandot“ entwerfen. Einige waren bei der Umsetzung ihrer Ideen künstlerisch etwas gehandikapt, weil man als Musikschüler nicht jeden Tag Kostüme malt. Dennoch ließen sich gute Ideen und der gute Wille in jedem Entwurf deutlich erahnen.

Den Abschluss des Heinzelmännchentages bildeten eine Dramaturgin und ein Regieassistent, die über die Inszenierung der Oper in Hannover berichteten. Woran dabei alles gedacht werden muss, war wohl den Wenigsten klar. Von der Besetzung, über die Requisiten, das Bühnenbild, die Stimmung bis hin zur Aussage des Stückes für die Zuschauer ist alles geplant und genau durchdacht.

Der zweite Tag begann mit einer Präsentation einer zentralen Szene aus „Turandot“ durch uns Schüler, die gut geplant werden musste. Am Schluss der Mini-Aufführung lernten wir ganz nebenbei auch noch das Gefühl kennen, das Musiker erleben, wenn am Ende der Vorstellung geklatscht wird. Danach folgte wohl das Highlight für die Musiker unter uns: Wir durften bei einer Orchester-Bühnenprobe den Profis zugucken. Dabei war wohl das Beeindruckendste, wie schnell die Kritik des Dirigenten umgesetzt wurde. Jeder, der einmal im Orchester gespielt hat, weiß wie schwer es ist, das Tempo nur minimal zu korrigieren, damit das Zusammenspiel stimmt; da bedarf es bei Laien oft mehrerer Anläufe. – Hier nur einen einzigen und danach lief es!

Im weiteren Tagesverlauf blieben wir musikalisch. Ein Dirigent zeigte uns am Klavier die Besonderheiten der Oper „Turandot“. Für einen Schüler war wohl beruhigend, dass auch Komponisten wie Puccini abgeschrieben haben. Das Thema seiner Hauptfigur hat er so in Verdis Oper „Otello“ bei dem Bösewicht abgeschaut. – Nobody’s perfect!

Im Gegensatz dazu hatte Puccini aber auch einige geniale Ideen, auf die z.B. unser Dirigent persönlich (so meinte er) nie gekommen wäre.

Damit der zweite Tag nicht heinzelmännchenfrei blieb, schminkte eine Maskenbildnerin ein Mädchen als Turandot und zeigte so ihr Können. Währenddessen konnte eine Hälfte der Gruppe selbst ausprobieren, sich gegenseitig als Prinzessin oder Prinz zu schminken.

Dabei wurden nach dem ersten Lachanfall einige tolle Ideen umgesetzt.

Nach diesen zwei Tagen im Opernhaus wissen wir jetzt, dass man einen ziemlich harten Job im Opernhaus haben kann, ohne auch nur einmal auf der Bühne zu sehen zu sein. Doch trotz der vielen Arbeit hörte man Allen, die uns ihren Part vorgestellt haben, den Spaß am Job jedoch deutlich heraus.

Wenn wir uns demnächst die Aufführung der Oper ansehen, werden einige von uns wohl auch an die vielen unsichtbaren Helfer denken, die wir durch diesen Workshop endlich mal zu Gesicht bekommen haben.

Linda Brenning, Jg.13